Vom 17. bis zum 21.6. weilte ich gemeinsam mit meiner Mutter in Marburg. Das hauptsächliche Ziel unserer Reise war es, dass für mich vielversprechende System Brainport kennen zu lernen. Über den Brainport und die Einweisung in seine Handhabung gibt es einen Separaten Bericht. Da die Schulung nur 90 Minuten Täglich in Anspruch nahm, blieb noch Zeit für ein touristisches Programm, über das ich hier schreiben möchte.

Relativ kurzfristig erfuhren wir den Termin für die Schulung. Glücklicherweise hatte mein Chef nichts dagegen, so dass etwa eine Woche vor Reiseantritt fest stand, es kann losgehen. Fangen wir also mit der Reisevorbereitung an. Meine Mutter hat sich sogleich mit größter Einsatzbereitschaft um das Packen der Tasche gekümmert. Meine Aufgabe war es, eine Verbindung herauszusuchen. Eigentlich kein Problem: Bahn-Seite besuchen, Start, Ziel, Urzeit und gewünschte Verkehrsmittel angeben und schon bekommt man eine Verbindung angezeigt. Soweit die Theorie. Ich bekam auch tatsächlich eine Verbindung angezeigt. Um 07:28 sollen wir die S-Bahn nehmen, vier Mal sollen wir umsteigen und um 15:33 Uhr am Marburger Hauptbahnhof sein. Unsere Fahrt sollte uns über Magdeburg, Sangerhausen und Kassel Wilhelmshöhe führen. Da war nur ein Problem: In den Medien gab es tägliche Berichte über das Hochwasser unter anderem der Elbe. Nun fließt die Elbe von Süd nach Nord durch Deutschland und wir wollen von Ost nach west fahren. Wie also der Elbe aus dem Weg gehen? Fliegen wär da wohl die einzige Möglichkeit. Gutgläubig dachte ich mir, der Fahrplan wird schon wissen, welche strecken zu befahren sind und so prüfte ich ihn in regelmäßigen Abständen. Erst am Abend vor Fahrtantritt las ich, dass wir immer noch über Magdeburg fahren sollten, in den Reisedetails jedoch eine Notiz: Magdeburg halt entfällt. Es war ein Plan für einen Schienenersatzverkehr verlinkt, aus dem ich nicht schlau wurde. Also ein Anruf mit dem Ergebnis: Schienenersatzverkehr kommt zu spät an, um den Anschluss zu erreichen. Im Plan kann man zwar angeben, über welche Orte man fahren möchte, man kann aber keine Orte ausschließen. Also hieß es probieren, dann erneut anrufen und fragen, ob denn diese Strecke frei sei. Als dies bejaht wurde entschieden wir uns 50 Minuten eher loszufahren und dann über Dessau und Halle nach Kassel Wilhelmshöhe zu fahren. In Halle hatten wir etwa eine Stunde Aufenthalt. Die Fahrt funktionierte jetzt reibungslos. Während wir immer wieder von deutlichen Verspätungen und Ausfällen im ICE

Am Morgen des 17.6. ging es also nach einer kurzen Nacht los. Mit dem Bus zur S-Bahn, um der neuen Rolltasche etwas Altstadtpflaster zu ersparen. In Halle hatten wir unsere erste größere Pause. Im Bahnhof war Mutter vor allem von den Läden von Kathi Backmischungen und Halloren-Kugeln angetan. Mit dem Einkauf hielten wir uns jedoch zurück, da unsere Taschen voll waren. Aus dem Bahnhof heraus schafften wir es dann auch noch. Laut dem Wegweiser wäre es jedoch zur Innenstadt zu weit, um die kurze Zeit für eine Stadtbesichtigung zu nutzen und die nähere Umgebung erschien nicht besonders spannend.

Gut zehn Minuten vor Abfahrt begaben wir uns auf den Bahnsteig, wo unser Zug sogleich kam. Da er hier endet und zurückfährt, ist er etwas eher da. Bei seiner Ankunft war gleich das typische Geräusch zu hören, wie man es von ankommenden Zügen kennt, jedoch jetzt des Öfteren Vermisst. Es war ein älteres Modell. Die Türen waren etwas schmaler, dafür war die Gepäckablage groß genug, um all unsere Taschen zu verstauen. Andere Züge hatten entweder keine Ablage, oder so eine, wo man zwar ein Notizbuch, aber keine Reisetasche hineinlegen kann. Das war gerade am Anfang unserer Fahrt schwierig. Im Berliner Raum war der Zug noch sehr voll. Später mit etwas mehr Bewegungsfreiheit schafften wir es dort dann die Tasche unter dem Sitz zu verstauen. Sobald wir den Großraum Berlin verlassen haben, wurden die Züge dann deutlich leerer, die Berufsverkehrszeit war dann ja auch irgendwann vorbei. Aber wir waren ja schon in Halle. Auf der Fahrt in Richtung Kassel wollten wir unser Navi auspacken, um uns den Fahrtverlauf und die Geschwindigkeit anzeigen zu lassen, immerhin kam mir der Zug richtig schnell vor. Das Auspacken des Gerätes war allerdings so ziemlich das einzige, was funktionierte. Im Zug war kein Satellit zu empfangen. Später konnte ich nachlesen, dass es 222 km von Halle bis Kassel-Wilhelmshöhe sind und die Strecke Großteils sehr Kurvig ist. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf dieser Etappe lag also bei 77 km/h. In Kassel hatten wir dann noch gut eine halbe Stunde Aufenthalt, außer dass wir ein Brot kauften passierte hier nichts. Wir durchquerten so lustige Orte wie Witzenhausen-Nord und Stadtallendorf. Die gesamte Fahrtzeit verbrachten wir mit lesen, essen und schlafen.

Pünktlich um 15:33 Uhr erreichten wir Marburg, wo wir von der Rehalehrerin in Empfang genommen wurden. Sie Brachte uns zunächst in die für uns reservierte Gästewohnung, damit wir unser Gepäck abstellen konnten. Dann ging es weiter zur Rehaeinrichtung, wo die Schulung stattfand. Um 18 Uhr waren wir mit der Schulung fertig. Jetzt wurden wir allein gelassen. Auf dem Weg zurück zur Gästewohnung ging es noch Lebensmittel einkaufen. Da wir auch eine Küche hatten waren wir nicht auf Restaurantessen angewiesen und Mutter bereitete Speisen in der gewohnt hohen Qualität. Während des Essens rief mein Vater an und fragte, ob wir dem Ziel schon ein Stück näher gekommen seien. Stolz konnte ich berichten, dass wir unser Fahrtziel erreicht und bereits die erste Schulungseinheit absolviert haben. Außer Betten beziehen und Körperpflege passierte den Tag nichts mehr.

Am nächsten Tag waren wir nicht ganz so früh aktiv. Während des ausgiebigen Frühstücks bekamen wir Besuch von zwei Reinigungskräften, die Handtücher und Bettwäsche in eine Kammer schafften. Da wir unseren Termin erst um 13 Uhr hatten, ging es nicht auf direktem Wege zur Schulung. Wir gingen dem Schloss entgegen. Als wir nach dem Weg fragten, wurde Mutter von der befragten Dame erkannt. Wie sich herausstellte besuchte sie die gleiche Schule, die ich besuchte und in deren Internat Mutter arbeitete. Da die Frau eine andere Klasse besuchte als ich, kannte ich sie allerdings nicht. Auf dem Weg zum Schloss passierten wir den Hexenturm, aus dem stimmen zu uns drangen. Also mal nachschauen, was da drinnen los ist. Als wir die Tür erreichten, kamen dort jedoch alle heraus und der letzte verriegelte die Tür dann auch noch. Der Herr stellte sich als Gästeführer vor und teilte uns mit, dass er am nächsten Tag um 15 Uhr am Marktplatz mit einer weiteren Stadtführung startet. Also gingen wir weiter unseres Weges. An der Außenwand des Schlosses waren einige Reliefs zu betasten. Wir gingen hinein. Um nicht umsonst Eintritt zu zahlen fragten wir, ob man denn im Schloss auch etwas anfassen könne, was vom Kassierer strickt verneint wurde. Darüber regte sich Mutter direkt auf. Wieder draußen teilte sie diesen Missstand auch einem Arbeiter mit, der dort zu Gange war und uns zuvor den Weg zum Eingang beschrieb. Der Herr erklärte uns die problematische Situation mit empfindlichen Originalen und das sie auch keine Möglichkeit hätten, Nachbildungen anzufertigen und auszustellen. Er verwies uns jedoch auf die Grimmausstellung im Obergeschoss, die man sehr wohl auch als Blinder erleben könne. Sogleich ging er mit uns wieder in das Museum. Es gab einige Hörstationen über Grimm und eine Duftstation. Der Zusammenhang mit der Duftstation ist mir jedoch nicht ganz klar. Jedenfalls konnte man dort Gerüche erraten, was mir nur zum Teil gelungen ist. Wir schauten uns noch etwas weiter um. Da wir einmal drin waren bot sich dies an. Die benötigte Wegeszeit zu unserem Termin schätzten wir grob auf eine halbe Stunde. Um 12:20 Uhr verließen wir das Schloss, ohne durch alle seine Bereiche gegangen zu sein. Jetzt galt es suchen mit dem Plan, den wir von der Rehalererin bekamen und mit unserem Navi. Letzteres gab etwas von 4,5 km Strecke an, hielt sich jedoch mit weiteren Hinweisen bedeckt. Mit der Karte und Hinweisen von freundlichen Passanten gelang es uns allerdings auch so, unseren Weg zu finden. Als das Rehazentrum in Sichtweite war meinte die Stimme aus dem Navi, dass wir unser Ziel nun auf der linken Seite erreichen, die einzige Wortmeldung des Gerätes. Um Punkt 13 Uhr betraten wir das Gebäude.

Nach der Schulung ging es zur Gästewohnung, wo Mutter uns Nudeln kochte. Neben der Mahlzeit gab es noch eine erfrischende Dusche, schließlich hatten wir gleich eine Verabredung mit einer Dame. Almut hatte ich bereits vor gut einem Jahr kennen gelernt, als ich einer von vielen Kandidaten für ihre Promotion war. Auch wenn es damals letztlich nur zwei mal 15 Minuten Experiment waren hat es irgendwie geklappt, im Anschluss einen Kontakt aufzubauen. Um 17.30 Uhr holte Almut uns also von der Gästewohnung auf dem Gelände der Blindenstudienanstalt ab. Bereits als ich sie am Telefon nach Veranstaltungstipps für Marburg fragte, nannte sie mir die Möglichkeit des Tretbootfahrens. Jetzt wollten wir das mal probieren und es ging zur Bootsvermietung. Letztlich entschieden wir uns für ein Ruderboot. Während ich schon zwei Mal in einem Tretboot saß, hatte ich noch nie gerudert. Mutter wollte nicht mitfahren, so blieb sie am Ufer sitzen. Zuerst versuchte ich mich am Rudern. Das Boot ließ sich auch gut in Bewegung setzen, nur erst einmal in die falsche Richtung. Obwohl, aus meiner Sicht fuhren wir vorwärts, nur die Spitze vom Boot war jetzt hinten. Dank Almuts geduldiger Anleitung bekam ich das dann aber auch hin. Nur gerade kam ich nie. Um die Bahn zu halten brauchte ich regelmäßige Anweisungen. Nach einiger Zeit tauschten wir die Plätze. Abermals etwas später ruderten wir in Gemeinschaftsarbeit. Beide saßen wir nebeneinander und jeder nahm ein Ruder. Das klappte soweit ganz gut, auch wenn es immer noch einiger Kommentare benötigte, um uns abzustimmen und gerade zu fahren. Immer wieder passierte uns ein Drachenboot (vielleicht waren es auch mehrere) die für die Festveranstaltung "drei Tage Marburg" im Juli trainierten. Als wieder ein solches kam haben wir unsere Ruderei eingestellt um es vorbei zu lassen. Es hatte dazu eigentlich ausreichend Platz. Dennoch meinte einer seiner Besatzung zu uns: "man muss auch mal hinschauen". Darauf Almut: "ja, er sieht nichts". Der vom Drachenboot schien seine Aussage jetzt etwas peinlich zu finden und meinte nur "achso". Vielleicht meinte er ja auch nicht den Platz, sondern er wollte bewundert werden. Obwohl, dann hätte er das bestimmt anders gesagt. Außerdem machen diese Drachenboote schon genug krach. Ein Motorboot wäre wohl nicht lauter gewesen, aber die fahren hier nicht. Unsere Fahrt führte uns unter anderem an der Mensa der Universität Marburgs vorbei, wo man zum Essen direkt am Wasser sitzen kann. Wir fuhren allerdings keine große Runde, sondern wir pendelten immer nur vor dem Bootsanleger hin und her, was ich erst später mitbekam. Auf der einen Seite wurde unsere Strecke durch ein Wehr begrenzt, wo es zu flach zum Durchfahren wäre. Irgendwann trat die Frage auf, wie lange wir denn wohl noch fahren dürfen, schließlich war das Boot nur für eine Stunde gemietet. Aus unerklärlichen Gründen hatte ich zuvor sorge, Wasser könne bis in die Uhr gelangen und diese daher an Land gelassen. Na wir können ja Mutter nach der Zeit fragen, wenn wir da eh dauernd vorbeifahren. Nass wird man beim Rudern übrigens nicht, wenn es nicht gerade regnet oder man schwitzt, für letzteres hatten wir das passende Wetter. Nach dem Anlegen saßen wir noch eine Weile am Ufer. Wie wir fanden recht früh kam ein Mitarbeiter um die Ruder einzusammeln und alle Boote zusammenzuketten. Zu fortgeschrittener Stunde war Abschied nehmen angesagt. Aber wir hatten ja noch ein paar Tage in Marburg und so fragte ich Almut, ob wir uns nicht noch einmal treffen wollen. Wir wollten am nächsten Tage telefonieren, um uns darüber abzustimmen. Zurück in der Gästewohnung ging es dann bald ins Bett.

Am Mittwoch hatten wir unseren Termin um 10. Davor lohnte es sich nicht, noch etwas anderes anzustellen. Nach der Schulung ging es gleich nebenan in den alten botanischen Garten. Dieser ist deutlich kleiner als der neue, deswegen aber nicht weniger schön. Viele Leute lagen oder saßen im Park und eine Dame schaute sogar zu mir, wie Mutter mir sagte. Neben einigen ausgefallenen Pflanzen gab es auch einheimische Heilkräuter. Schade dabei finde ich nur, dass mir die Aufnahmefähigkeit fehlt. Wenn ich eine Pflanze anfasse oder abtaste, dann weiß ich im Moment wie sie aussieht. Das Ganze mit ihrem Namen und vielleicht noch der zugehörigen Wirkung nebst Anwendung zu speichern, gelingt mir nicht. Das gleiche Problem habe ich auch in anderen Situationen. Wir waren z.B. im Raum Berlin schon ab und zu auf einem Autotreff. Sehr interessant ist es, die verschiedenen Modelle abzutasten und so kennen zu lernen, oder in verschiedenen Museen. Aber merken bzw. Wiedererkennen kann ich dann eher wenig.

Nach dem Besuch des botanischen Gartens gingen wir weiter zur Kirche. Auf dem Weg kamen wir über den Markt, wo wir uns bei einem Bäcker etwas zum Mittag kauften. Die Kirche hat ein Modell, dass man Abtasten kann. Neben der eigentlichen Kirche gibt es noch kleinere Nebengebäude. In der Elisabethkirche selbst waren wir dann auch noch drin. Neben den üblichen Abbildern ist vielleicht noch interessant, dass es einen Sichtschutz für die bessergestellten gläubigen gibt. Da auch vor Gott nicht alle gleich sind, wollte man vom einfachen Volk nicht gesehen und in seiner Andacht gestört werden.

Während dessen, also natürlich nicht in der Kirche, verabredeten wir uns telefonisch für 16:40 am Hauptbahnhof. Wir wollten dann nach Oswaldsgarten, einem Vorort von Gießen, fahren. Dort befindet sich ein Bootsverein und wir können auch mal das Paddeln probieren. Almut ist in dem Bootsverein und sie war in diesem Bereich schon deutlich aktiver als im Rudern. Nach dem Kirchenbesuch ging es also zurück zur Gästewohnung. Tasche neu packen und weiter, denn um 15 Uhr sollte die Stadtführung sein. Am Marktplatz angekommen betrachteten wir zunächst das dort vorhandene Modell. Auf ihm waren das Rathaus und die anderen Gebäude rund um den Marktplatz abgebildet. Selbst die Rathausuhr war zu erkennen, etwas kleiner als meine Armbanduhr. Nur gestimmt hat sie nicht. Was mir aus dem Modell nicht so deutlich wurde ist der Hahn, der bei Stundenschlag mit den Flügeln schlägt. Die Führung ging über die verschiedenen Märkte, wie dem Viehmarkt. Wir erfuhren einiges über die Anfänge der Bauvorschriften. So wurden bei den Fachwerkhäusern durchgängige Balken vom Boden zum Dach verboten, da für die acht Meter langen Balken die ganzen Wälder in der Gegend gerodet waren. Kürzere Stämme lassen sich deutlich schneller heranziehen. Nach einem Großbrand wurden Dächer mit Stroh verboten. Die Nachfrage nach Ziegeln stieg sprunghaft an. So entstand die Aulgasse, Auler haben die Ziegel produziert. Viele Handelsrouten führten in Furten über die Lahn. Man war findig und baute eine Brücke, um Wegezoll einnehmen zu können. Als die Brücke beschädigt wurde riss man einen Turm ab, um schnell Steine für einen Neubau der Brücke zu haben, auf diese Einnahmequelle wollte man schließlich nicht verzichten. So erfuhren wir alle möglichen Geschichten über Marburg von unserem Führer, einen pensionierten Lehrer. Die Führung sollte eine Stunde dauern, was gut in unseren Zeitplan passte. Allerdings hat der gute Mann überzogen, war ja auch sehr interessant. Nur um 16:20 mussten wir gehen, da wir ja verabredet waren. Eigentlich wollten wir ihn nach der Führung nach dem Weg zum Hauptbahnhof fragen. Nur da wir mit dieser Frage die Führung nicht unterbrechen konnten, mussten wir uns an jemand anders wenden. Unterwegs kamen wir dann noch an einem Briefmarkenautomaten vorbei, wo wir Marken für unsere Urlaubskarten kauften. Da hat mich doch meine Kollegin gefragt, ob ich nicht eine Urlaubskarte an das Referat schicke. Auf so eine Dreistigkeit hätte man eigentlich nicht eingehen dürfen, zumal sie von ihrer anschließenden Reise nicht geschrieben hat, aber zu spät. Etwas knapp erreichten wir den Bahnhof, aber unsere Verabredung kam noch nach uns. Dann erfuhren wir auch noch, dass der Zug 10 Minuten Verspätung hat. Da hätten wir uns wirklich nicht so beeilen müssen.

Unsere Fahrt führte uns unter anderem durch Niederweimar, wo man gut baden können soll, was wir nicht probierten. Bis dahin wusste ich nicht, dass es ein zweites Weimar gibt, aber Reisen bildet ja bekanntlich. In Oswaldsgarten trafen wir dann noch Almuts Mutter. Nach dem sich auch meine Mutter zum paddeln überreden ließ, holten wir einen Viererkanadier aus dem Bootshaus. Noch die Wertsachen in einer wasserdichten Kiste verstaut, das Boot zu Wasser lassen und schon konnten wir in See - äh in Fluss stechen. Almut saß hinten und übernahm das Lenken. Wir anderen mussten nur paddeln. Es wäre der Laufruhe des Bootes zuträglich, wenn alle in einem Rhythmus paddeln würden. Hab ich nicht so hinbekommen, ging aber auch ohne. Da das Paddel nicht befestigt ist, sondern gehalten werden muss, fand ich das etwas anstrengender als beim Rudern. Man ist auch nicht so schnell wie beim Rudern. Auf unserem Weg gab es einige Engstellen und flache Bereiche, wir kamen jedoch überall durch. Im Wasser waren einige Fische zu sehen. Leider hatten wir kein Netz dabei. Wenn man sich wie ich eher wenig geschickt beim Paddeln anstellt, dann spritzt es etwas. Wirklich nass wird man aber nicht, dass passiert wohl eher bei Einern mit einem Paddel, dass immer wechselseitig eingetaucht wird. Nach der Fahrt kam das Boot wieder ins Regal und wir setzten uns in ein Strandrestaurant. Zu fortgeschrittener Stunde fuhr Almuts Mutter uns zum Gießener Hauptbahnhof. Der ist etwas weiter vom Bootsverein entfernt, dafür halten dort auch noch andere Züge. Der, den wir jetzt nahmen fuhr von Gießen bis Marburg ohne Zwischenhalt. Kurz vor Ende unserer Fahrt dann die automatische Ansage "nächste Station Marburg, Ausstieg in Fahrtrichtung links". Etwas später machte der Schaffner dann die Durchsage "Wegen der aktuellen Mondphase Ausstieg heute in Fahrtrichtung rechts". Ein Stück gingen wir noch gemeinsam, bis Almut abzweigte. Uns für den nächsten Abend zu verabreden vertagten wir wieder auf ein Telefongespräch. Nach unserer Rückkehr aßen wir noch etwas und gingen nach der Körperpflege ins Bett.

Am Donnerstag hatten wir unseren Termin um neun Uhr. Hiernach nahmen wir uns vor, in den neuen botanischen Garten zu fahren. Dieser liegt etwas außerhalb der Stadt auf den Lahnbergen. Wir gingen zunächst durch die Häuser. Es gab welche für die verschiedenen Themen. Eines für Schmetterlinge usw. An einem angelegten Teich in einem der Häuser stand ein entschuldigendes Schild, sie mussten die Pflanze einzäunen, weil sich dort eine Schildkröte eingenistet hat. Sie lässt sich nicht fangen und frisst stattdessen immer an der Pflanze herum. Also wurde ein Zaun errichtet. Nach den Häusern ging es ins Freiland. Eine Mitarbeiterin warnte uns und meinte, wir sollen den Himmel beobachten. Dort wurde es zum Teil recht finster. Wenige Tropfen kamen, dass angekündigte Unwetter blieb jedoch noch aus. An einer Wand waren verschiedene Äste von Bäumen angebracht. Man sollte durch abtasten/anschauen die Baumsorte erkennen. Mir ist es nicht geglückt. Einige Stunden hielten wir uns in dem schönen weitläufigen Garten auf. Dort verbrachten wir auch unsere Mittagspause. Damit man auf den Bildern nicht nur Pflanzen oder gar mich sehen kann, versuchte ich Mutter nach Anweisung zu fotografieren, was wohl auch klappte.

Die Rückfahrt verlief nicht ganz so optimal. Der Bus sollte auch an der Elisabethkirche halten, was uns von den aufgelisteten Stationen die nahegelegenste an unserer Unterkunft zu sein schien. Tatsächlich gab es auf dem gesamten Fahrtverlauf keine solche Station. Als der Bus nach dem Hauptbahnhof wieder in Richtung botanischen Garten zu fahren schien stiegen wir aus und nahmen die Gegenrichtung zum Hauptbahnhof. Dort fragten wir gleich noch, ob denn die Züge nun wieder über Magdeburg fahren würden. Das sollten sie nach Auskunft des freundlichen Mitarbeiters. Hiernach ging es erst einmal zu unserem Stützpunkt. Unsere Verabredung erfolgte heute für 19:30 Uhr am Bootsanleger. Da hatten wir noch Zeit für ein Abendessen. Wir waren jetzt auch nicht mehr allein in der Wohnung, ein Vater und sein Sohn aus dem Senegal waren eingetroffen.

Als wir dann am Bootsverleih eintrafen, hatte dieser schon geschlossen. Warum der auch so früh Schluss machen muss... Ist bestimmt in der Gewerkschaft. Na sind wir halt ein Eis essen gegangen. Mutter wollte ein Bild von uns und unserem Tisch machen. Zu diesem Zweck musste ihr Becher erst einmal hinter der Speisekarte versteckt werden. Um kurz nach 23 Uhr waren wir wieder zurück. Jetzt kamen erste Tropfen und als wir endlich im Bett lagen kam dann das richtige Gewitter plus Regen. Da haben wir das Sommerwetter optimal genutzt.

Am Freitag mussten wir um 5:45 aufstehen. Nach dem Frühstück und dem Kofferpacken ging es los zur letzten Schulung. Dazu ein Bild von "unserem" Haus für die Woche zu machen kamen wir die ganze Zeit nicht. Nach der Schulung und den anschließenden Formalitäten ging es zum Bahnhof. Das Wetter war durchwachsen, aber trocken. Um 10:20 Uhr verließen wir die schöne Stadt. Im Zug war ein komisches hechelndes Geräusch zu hören, Mutter meinte, dass sie das nicht sei. Da es eine gewisse Permanenz hatte dachte ich fast, es hätte was mit dem Zug zu tun. Wie sie mir später sagte war es jedoch ein dicker plüschiger Hund. Da ist Herrchen bestimmt nach dem Zug gerannt und der Hund kam völlig außer Puste. In Kassel-Wilhelmshöhe stiegen wir um. Von dort hatten wir etwa zwei Stunden Fahrt bis Sangerhausen, wo wir nach dem eigentlichen Plan hätten auch schon bei der Hinfahrt umsteigen sollen. In Sangerhausen gibt es den größten Rosengarten. Da bei unserer dortigen Ankunft die Sonne schien, wollten wir ihn uns mal anschauen.

Wohin also mit dem Gepäck? Am Bahnschalter gefragt, ja man könne die Tasche hier unterstellen, bis sie zumachen. "Wann machen Sie zu?" "Um 16 Uhr." „Danke für die Auskunft.“ Wir gingen mit Tasche zum Bus. Mit einmal umsteigen ging es zum Rosarium Etwas verwirrend war hierbei der Fahrplan an der Haltestelle, der veraltet war und die dort verzeichnete Linie nicht mehr fuhr. An der Kasse des Rosariums konnten wir dann auch unser Gepäck lassen. Die nächste Zeit verbrachten wir mit Rosen beschnuppern, beschauen und betasten. Mutter hat so intensiv geschnuppert, dass ihr noch am nächsten Tag die Nase juckte. Da es etwas Windig war, haben die Rosen immer beim Fotografieren gewackelt, ging aber trotzdem recht gut. Eine Frau machte dann auch ein Gemeinschaftsfoto von uns. Relativ bald meinte Mutter, sie wolle den Gartenrundgang beenden und noch in den Laden gehen. Ich hatte das Gefühl, dass sie den fast spannender fand. Dabei konnten wir aus Transportgründen noch nicht einmal eine Rosenpflanze mitnehmen. Nach dem auch dort der Rundgang beendet war, ging es zurück zum Bus. Wir fuhren dann sogar eine halbe Stunde eher als geplant. Ob wir wirklich schon überall im Garten waren? Ich glaube es weniger. Auf dem Bahnhof hatten wir noch eine Stunde Zeit. Diese verbrachten wir unter anderem mit dem Abendessen und mit einem Telefonat mit meinem Vater. Da er arbeiten musste konnte er nicht mitkommen und wenn wir zu Hause sind wollte er schon schlafen. Weiter ging es in Richtung Magdeburg. Teilweise fuhr der Zug so langsam, dass man wohl mühelos hätte nebenher rennen können. Aber da man ja sagt "besser schlecht gefahren als gut gelaufen" blieben wir sitzen. In Magdeburg hatten wir dann mit 15 Min unsere einzige Verspätung der Reise. Es reichte ohne Probleme, um unseren Anschluss zu schaffen. Nur den Läden mit den Halberstädter Würstchen konnten wir keinen Besuch mehr abstatten. Auf der Fahrt nach Berlin viel mir dann auf, dass die Wichtigkeit einer Stadt bereits durch die Melodie ausgedrückt wird, die vor ihrer Stationsansage abgespielt wird. Während Genthin, Werder und die ganzen kleinen Halte in Berlin nur eine kurze Melodie haben, spielt man in Brandenburg, Potsdam und Berlin Hauptbahnhof richtig lange und laut auf. Am Ostbahnhof wurden wir dann von einer Frau angesprochen, ob wir von der Bahn seien. Ich hatte einen Rucksack mit DB-Zeichen, aber den gibt es auch so zu kaufen. Um 22:45 Uhr trafen wir dann wieder bei uns ein.

Trotz des vollen Programmes haben wir nicht alles geschafft, was wir in Marburg als spannend angesehen hätten. Und in den ganzen durchfahrenen Orten gäbe es sicher noch viel mehr. Eine Woche ist da einfach zu wenig. Da frage ich mich, was eine Rundreise oder eine Kreuzfahrt bringen soll, wo man 8 Stunden in einer Großstadt ist, wenn man es in fünf Tagen nicht vollständig schafft, eine Kleinstadt zu besichtigen. Schön war es auf jeden Fall. Auch an dieser Stelle einen Dank an Almut, dass sie sich die Zeit genommen hat und an Mutter für die Begleitung und an die Firma für den Test und die Bereitstellung der Gästewohnung.

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